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St. Corona-Holzkapelle zu Garnzell (ca. 400 m nördlich von Burgharting) und ihre verbotene Wallfahrt

HINWEIS: Der Text wurde teilweise in Originalformulierung gehalten
Nach einem nicht gut beglaubigten, so seltsamen wie grausamen Martyrium ist die sehr junge Soldatenfrau St. Corona im 2.Jahrhundert in der ägyptischen Thebais als Blutzeugin des christlichen Glaubens gestorben. An zwei zu Boden gebogenen Palmen soll sie festgebunden und im Zurückschnellen der Bäume zerrissen worden sein. Ihr Fest wird in den ihr geweihten Kirchen am 14. Mai begangen.
Ein längst vergessener Wallfahrtsort der hl. Corona ist Garnzell. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erhob sich in dem bisher wenig beachteten, kleinen Ort eine regelrechte Volkswallfahrt. Ihre genaue Enstehungszeit läßt sich nicht feststellen. Sicher ist, daß ihr Ende bereits im Jahre 1605 gekommen ist, da die geistliche und weltliche Obrigkeit die Wallfahrt, welche illegal entstanden und ebenso illegal Jahre lang bestand, verboten hat. Die Regierung von Landshut sandte an das Ordinariat in Freising ein Schreiben samt Fakten. Das Schreiben war ein Gutachten, das offenbar für die Beseitigung der Kultstätte, einer Kapelle samt Opferstock und Verbot der Wallfahrt plädierte. Freising stellte nun auch seinerseits eine genaue Untersuchung der Sache Wallfahrt Garnzell an und verhörte den zuständigen Pfarrer von Wambach. Das Ordinariat setzte sich mit der Regierung und dem Pfarrer von Wambach in Verbindung. Nun hören wir bis zum Sommer 1605 nichts mehr von Garnzell und seiner Wallfahrt. Im Juli 1605 wandte sich der alte Herzog Wilhelm V. in einem Schreiben an das Ordinariat Freising. Der Herzog berichtete darin, daß man in Zell eine große Andacht verspüre und das viele Kirchfahrten angestellt würden. Der Geistliche Rat zu Freising fasste den Beschluß: Soll der jetzige Vicarius hereinbescheiden und von ihm, wie derzeit die Sache beschaffen, Erfahrung eingezogen, sowohl die Akten aufgesucht und alsdan Ihrer Fürstlicher Durchlaucht davon Abschrift und Bericht zugeschickt werden. Oswald Habich, damaliger Provisor zu Wambach, erschien auf Aufforderung am 21. Juli 1605 in Freising und berichtete mündlich. Er berichtete von einem St. Coronabild, daß über 1000 Personen nach Zell zur Verehrung bewallfahren, die jährlich über 60 bis 70 Gulden spenden würden und dass das Bild der hl. Corona zur Filial gen Purckhartting getragen würde. Auf diesen Bericht Habichs beschloß der Geistliche Rat, die Verehrung des angeblichen Coronabildes weiterhin nicht zu gestatten, einem Kapellenbau nicht zu erlauben, vielmehr dem Provisor Habich zu befehlen, besagtes Bild nach Freising zu bringen und den Zugang auf der Kanzl abzuschaffen. Man beschloß auch, dem Landesfürsten zu schreiben, daß er Gnädigste Verordnung tun wolle, damit das Hüttl, darunter das Bild gestanden, gar abweg und den Stock hinweg zu heben, dann dem Paurn, so nägstens dabei sitzt, befellen solle, daß er die Zuereisende abschaffen und abweisen, auch ihnen die Gelegenheit jetziger Zeit entdecken solle. So wurde auch dem alten Herzog geschrieben. Am 21. Juli erhielt Oswald Habich den Befehl des Freisinger Geistlichen Rates wegen Erheb und Hereinschickung S. Grains Bildnus. Daraufhin konnte Habich nur antworten, daß ihm niemand dazu welle verhilflich sei, seie auch zu besorgen, es möchte etwas anders daraus entspringen. Es seien wohl miracula in specie anzuzeigen, der Pfarrer zu Vilsheim wisse davon. Freising verlangte nun, laut Beschluß, Oswald Habich solle die miracula in specie und sonderlich, was dem Pfarrer von Vilsheim bewußt, berichten. Am 5. August 1605 war Habich in Freising. In der Fürstlichen Kanzlei hat er ein Verzeichnis von sieben unterschiedlichen Taten aufgelistet. Diese angebliche Wundertaten wuden abgehört und mit nichten für keine miracula gehalten. Auch dann blieb der Freisinger Geistliche Rat bei seiner bisherigen Ansicht. Der alte Herzog gab den Geistlichen Rat sein Einverständnis am 10. August. Hierauf ist Dompropst Dr. Welser samt Herrn Georg Dichtl, Pfarrer zu Wambach, nach Garnzell hinausgereist. Sie haben das Bild erhebt, auch mit sich herein gebracht und den Schlissl zur Geistlichen Canzlei geantwortet. Über diesen Schlußakt bei der schnell aufgeblühten und schnell aufgehobenen Garnzeller Wallfahrt hat Dompropst Welser den 25. August 1605 seine Relation abgegeben. Was er über den Kult der angeblichen Hl. Corona vorgefundenen hatte, läßt sich aus dem Beschluß des Geistlichen Rats ersehen. Zunächst beschloß dieser, beiden Herzögen Wilhelm und Maximilian schriftlich zu berichten, dem alten Herzog einen Auszug aus der Welser´schen Relation zu senden, den jungen Herzog aber zu (Holzkapelle) unverzogen Gnädigste Verordnung tuen. Ansonsten was noch in der Kapelle vorhanden war wurde den Armen gegeben. So haben uns die Protokolle einen interessanten Einblick in eine illegale Volkswallfahrt aus der Zeit um 1600 gewährt. Heute ist nichts mehr vorhanden von einer Kapelle. Vor einigen Jahrzehnten wurde eine alte Holzkapelle mit verfallenen Altärchen und Opferstöckl, die im Schafferer-Hof stand, abgerissen. War das eine Erinnerung an die ehemalige St. Corona-Holzkapelle?